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In dem Artikel werden die Ergebnisse klinischer Beobachtungen von Pathologien des Knochengewebes der Schädelknochen vorgestellt, die in der Praxis des Kiefer- und Gesichtschirurgen, des Zahnarztes und des Radiologen auftreten können.

Einleitung

Die Methodologie der Untersuchung des Patienten in der Klinik für Zahnmedizin und Kiefer- und Gesichtschirurgie (KGC) umfasst neben der Erfassung von Informationen über Geschlecht, Alter, Beschwerden und Dauer der Erkrankung auch die Bewertung der Lokalisation des pathologischen Prozesses und der Anzahl der in den pathologischen Prozess involvierten Knochen. Neben einer Vielzahl von radiologischen Untersuchungen werden zusätzliche Verfahren wie die cone-beam-Computertomographie (CBCT), die multislice-Computertomographie (MSCT) und/oder die Magnetresonanztomographie (MRT) angewendet. Bei Bedarf kommen auch radionuklidtechnologische Verfahren zum Einsatz, die durch die Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT), die Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT-CT) und die Osteoszintigraphie repräsentiert werden. Die Nichteinhaltung des Algorithmus und der Sorgfalt bei der Untersuchung kann in einigen Fällen zu irreversiblen Folgen führen.

Die Röntgensemiotik von Erkrankungen der Knochen und Gelenke umfasst Veränderungen der Lage, Form und Größe der Knochen, ihrer Konturen und Struktur sowie destruktive und osteosklerotische Prozesse.

Veränderungen der Form und Größe der Knochen können durch Volumenstörungen (Hyperostose, "Aufblähung", Atrophie), pathologisches Gewebewachstum (Abb. 1 a-g), Verkrümmung, Verlängerung oder Verkürzung der Knochen sowie durch Veränderungen der Gelenkflächen charakterisiert sein.

Abb. 1. Plattenepithelkarzinom (der neoplastische Prozess ist in den Abbildungen mit roten Pfeilen gekennzeichnet): a – Aussehen der veränderten Weichteile im unteren Drittel des Gesichts; b – MSCT-Angiographie des Kiefer-Gesichtsbereichs, 3D-Rekonstruktion

 

Eine pathologische Neubildung kann ein Symptom eines primären oder sekundären Tumors des Knochengewebes (Abb. 2; 3 a-b), einer fibrösen Dysplasie (Abb. 4 a-b; 5) sein, die familiär vererbt werden kann. Das Hauptkriterium für die radiologische Bewertung ist die Erhaltung der Abschlussplatte, die auf die Gutartigkeit des pathologischen Prozesses hinweist.

Abb. 2. Osteom des Schädels (mit rotem Pfeil angezeigt), 3D-Rekonstruktion der MSCT
Abb. 3. Osteogene Sarkom des Schädels in der CT des Schädels (mit roten Pfeilen angezeigt): a – dreidimensionale Rekonstruktion; b – axiale Projektion; c – flächenhafte Rekonstruktion in der koronalen Ebene
Abb. 4. Fibrose Dysplasie des Unterkiefers links (mit roten Pfeilen angezeigt) auf der CT: a – axiale Projektion; b – atypische schräge Projektion
Abb. 5. Bereich der zement-fibroser Dysplasie im Bereich der Wurzel des Zahns 3.4 (mit rotem Pfeil angezeigt) auf der CT: flächenhafte Rekonstruktion in sagittaler Ebene

Durch bildgebende Verfahren können pathologische Veränderungen der artikulierenden Flächen des Kiefergelenks (TMG) festgestellt werden. Beispiele für pathologische Veränderungen des Knochengewebes des TMG sind in Abb. 6 a, b; 7 a, b; 8 a, b dargestellt.

Abb. 6. Fibrose Dysplasie des Kopfes des linken TMG (der Bereich der pathologischen Veränderungen ist in den Abbildungen mit einem roten Pfeil markiert): a – axiale Projektion der MSCT des TMG; b – koronale Projektion der MRT des TMG, T1 Wichtung
Abb. 7. Osteom des Kondylus des Unterkiefers links: a – STL-Modell des Schädels (der pathologische Bereich ist im Bild mit einem blauen Pfeil markiert); b – histologisches Präparat des Tumors, gefärbt mit Hämatoxylin und Eosin, Vergrößerung 200:1
Abb. 8. Zufällige radiologische Befunde bei der MRT-Diagnostik einer Diskussionsstörung des Kiefergelenks: a – intraossäre Zyste des Kopfes des Kondylus des Unterkiefers links, sagittale Ebene, T2*GRE Impulssequenz im Zustand der gewohnten Okklusion; b – Riesenzelltumor des Kopfes des Kondylus des Unterkiefers rechts, sagittale Ebene, PD Impulssequenz mit Fettunterdrückung im Zustand der gewohnten Okklusion (der Bereich mit pathologischen Veränderungen ist im Bild mit einem roten Pfeil markiert)

Die Pathologie des Knochengewebes kann sich nicht nur durch Veränderungen seiner Struktur, sondern auch durch Veränderungen des angrenzenden Weichgewebes auszeichnen (Abb. 9 a-c).

Abb. 9. Zentrale Riesenzell-Reparaturgranulome des Unterkiefers links (Bereich der pathologischen Veränderungen ist auf den Abbildungen mit einem roten Pfeil markiert): a – axiale Projektion der MSCT; b – axiale Projektion der MRT, T2-WI; c – histologisches Präparat des Tumors, gefärbt mit Hämatoxylin und Eosin, Vergrößerung 200:1

In der Praxis des Röntgenologen tritt regelmäßig eine Schädigung des Knochengewebes auf, die als eosinophile Granulom (Krankheit von Taratynov) bekannt ist. Ihre röntgenologischen Merkmale sind Bereiche mit einer Verdünnung des Knochengewebes mit unscharfen “gekrümmten” Konturen ohne Sklerose-Rand, mit möglicher Zerstörung der äußeren und inneren Abschlussplatten des Knochengewebes und Invasion in das Weichgewebe, mit der Bildung von Sequestern (Symptom “Knopf” auf dem Röntgenbild, Abb. 10). Es ist zu beachten, dass diese Veränderungen auf Röntgenaufnahmen festgestellt werden können, die für die röntgencephalometrische Analyse in der Praxis des Zahnarztes, Kieferorthopäden und Kiefer-Gesichtschirurgen verwendet werden. Es handelt sich um Teleröntgenogramme (TRG) des Schädels in der direkten und seitlichen Projektion sowie um 3D-Cephalometrie. Die Myelomkrankheit (multiples Myelom, generalisierte Plasmozytom, Krankheit von Rustitsky-Kaler) ist ein bösartiger Tumor aus Plasmazellen (differenzierte B-Lymphozyten, die Antikörper produzieren). Diese Erkrankung des Blutsystems, die zu den paraproteinämischen Leukämien gehört, wird röntgenologisch durch klar umschriebene “gestempelte” Zerstörungsherde unterschiedlicher Größe in den Knochen des Schädeldaches, der Schlüsselbeine, der Rippen und der Becken (Abb. 11) charakterisiert.

Abb. 10. Eosinophile Granulome auf CT und MRT (der Bereich pathologischer Veränderungen ist in den Bildern mit einem roten Pfeil markiert): a – CT, axiale Ebene; b – MRT, T2 Wichtung, axiale Ebene
Abb. 11. Zerstörungsherde in den Knochen des Schädeldachs auf der Röntgenaufnahme der Schädelknochen in seitlicher Projektion (mit roten Pfeilen angegeben) bei Myelomkrankheit

Eine traurige Entdeckung in der Praxis des Zahnarztes und des Kiefer- und Gesichtschirurgen können osteolytische Metastasen im Skelettknochen sein, einschließlich der Wirbel (Abb. 12).

Abb. 12. Bereich der Zerstörung des Knochengewebes des Wirbelkörpers mit unregelmäßigen, unscharfen Konturen und minimalem Skleroserand (mit rotem Pfeil angegeben)

Eine besondere Rolle in der Praxis des Zahnarztes, Kiefer- und Gesichtschirurgen und Radiologen spielen die Iatrogenien (Abb. 13 a-c; 14 a, b; 15 a-c; 16; 17).

Abb. 13. Ameloblastom des Unterkiefers links: a – frontale Schicht der Kiefer-CT (pathologischer Bereich mit rotem Pfeil angegeben); b – axiale Schicht der CT des Unterkiefers (“Codman-Dreieck”, radiologisches Merkmal des Tumors, mit blauem Pfeil angegeben); c – histologisches Präparat des Tumors, gefärbt mit Hämatoxylin und Eosin, Vergrößerung 200:1
Abb. 14. Zahnimplantat (mit rotem Pfeil angezeigt), das im Bereich der Odontom der Unterkiefer (mit blauem Pfeil angezeigt) eingesetzt wurde: a – schräge Projektion der MSCT; b – axiale Projektion der MSCT des Schädels
Abb. 15. Einsetzen des Zahnimplantats (mit rotem Pfeil angezeigt) in das Karzinom des Oberkiefers rechts (mit blauem Pfeil angezeigt) – frontale Projektion der MSCT des Schädels
Abb. 16. Zahn 2.7, der als Stütze für die Brückenprothese dient, befindet sich in einem Karzinom des Oberkiefers links (der Interessensbereich ist in den Abbildungen mit roten Pfeilen gekennzeichnet): a – CT des Schädels, flächige Rekonstruktion in der koronalen Ebene; b – CT des Schädels, flächige Rekonstruktion in der atypischen sagittalen Ebene
Abb. 17. Orthopantomogramm (vom zahnärztlichen Chirurgen ambulant entfernte Zahn 4.8, der an die intrakranielle Hämangiome angrenzt, die auf dem Bild mit einem roten Pfeil angezeigt wird)

Somit wird anhand einer Reihe von von uns angeführten klinischen Beispielen die Vielfalt der pathologischen Veränderungen des Knochengewebes der Kiefer und anderer Schädelknochen veranschaulicht, die in der routinemäßigen Praxis des Zahnarztes und des Kiefer-Gesichtschirurgen auftreten. Eine enorme Bedeutung für die rechtzeitige Erkennung und korrekte Interpretation dieser Veränderungen hat die Interaktion des Klinikers mit dem Radiologen und dem Pathologen.

Zur Prävention von Iatrogenien hält das Autorenteam es für möglich, folgende praktische Empfehlungen vorzuschlagen:

  1. Einhaltung des Erlasses des Gesundheitsministeriums der RF vom 09.06.2020 Nr. 560n bezüglich der Beschreibung des Röntgenbildes der Kiefer (Schädelknochen) durch den Radiologen.

  2. Röntgenkontrolle in allen Phasen der zahnärztlichen Behandlung.

  3. Verwendung zusätzlicher Untersuchungsmethoden (MSCT und MRT, PET-CT, OEFCT-CT, Osteoszintigraphie, Densitometrie, labormedizinische Nachuntersuchungen usw.).

  4. Durchführung von Gewebeproben (nach Indikation).

  5. Ausschluss von Zähnen, die sich in der Nähe des pathologischen Bereichs befinden, aus dem Wirkungsbereich der kieferorthopädischen Apparaturen.

  6. Kontrolle des Vorhandenseins der informierten freiwilligen Einwilligung zur Untersuchung und Behandlung in der Patientenakte (Krankenakte).

  7. Bewertung der psycho-sensorischen und anatomisch-funktionalen Desadaptation des Patienten in den Behandlungsphasen und, falls erforderlich, Einbeziehung eines klinischen Psychologen in die Arbeit.

 

N.V. Vishneva, A.N. Lanina, O.V. Lukina, E.V. Bubnova, A.G. Tyurin, R.A. Fadeev, A.I. Yaremenko

 

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